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Ruby in 20 Minuten

Wenn wir unser Programm etwas genauer ansehen, fallen uns die Zeilen auf, die mit einem Rautenzeichen (#) anfangen. In Ruby ist alles nach einem Rautenzeichen ein Kommentar, der vom Interpreter ignoriert wird. Die erste Zeile der Textdatei ist ein Spezialfall: Bei einem Unix-artigen Betriebssystem sagt es dem Kommandozeileninterpreter (der “Shell”), wie die Datei ausgeführt werden soll. Der Rest der Kommentare dient nur der Verdeutlichung.

Unsere sag_hallo-Methode ist ein bisschen trickreicher geworden:

# Sag Hallo zu allen
def sag_hallo
  if @names.nil?
    puts "..."
  elsif @names.respond_to?("each")
    # @names ist eine Liste, iteriere!
    @names.each do |name|
      puts "Hallo, #{name}!"
    end
  else
    puts "Hallo, #{@names}!"
  end
end

Sie berücksichtigt nun den @names-Parameter und trifft abhängig davon Entscheidungen. Ist er nil, schreibt sie nur drei Punkte auf den Bildschirm. Es ist schließlich nicht unbedingt sinnvoll, niemanden zu grüßen, nicht wahr?

Zyklen und Schleifen – auch Iteration genannt

Wenn das @names-Objekt auf das each antwortet, gibt es etwas, das man durchlaufen kann, also wird es durchlaufen und somit jede Person begrüßt. Wenn @names irgendetwas anderes ist, wird es automatisch in einen String umgewandelt und die Standard-Begrüßung veranlasst.

Sehen wir uns den Iterator genauer an:

@names.each do |name|
  puts "Hallo, #{name}!"
end

each ist eine Methode, die einen Code-Block akzeptiert und diesen für jedes einzelne Element der Liste ausführt. Das Stück zwischen do und end ist ein solcher Block. Man kann ihn als eine anonyme Funktion oder lambda ansehen. Die Variable zwischen den Pipe-Zeichen (”|”) ist der Parameter für diesen Block.

Was hier passiert, ist dass für jeden Eintrag in einer Liste name an das aktuelle Listenelement gebunden und dann der Ausdruck puts "Hallo, #{name}!" mit diesem Namen als Parameter aufgerufen wird.

Die meisten anderen Programmiersprachen behandeln einen Listendurchlauf mit einer for-Schleife, was in C in etwa so aussieht:

for (i=0; i<anzahl_der_elemente; i++)
{
  mach_etwas_mit(element[i]);
}

Das funktioniert auch, ist aber nicht besonders elegant. Man benötigt eine “Wegwerf-Variable” wie i, man muss die Größe der Liste kennen, und man muss auch genau festlegen, wie man die Liste durchläuft. Die Art und Weise, wie Ruby das macht, ist viel eleganter. Alle administrativen Details sind innerhalb der each-Methode versteckt. So ist alles, was man braucht, die Angabe, was man mit jedem Element zu tun hat. Intern wird die each-Methode yield "Albert" aufrufen, dann yield "Bianca", dann yield "Carl-Heinz" und so weiter.

Blöcke – das Funkeln an den Kanten des Rubins

Die wahren Fähigkeiten von Blöcken zeigen sich dann, wenn es um Dinge geht, die etwas komplizierter als Listen sind. Neben der Behandlung einfacher administrativer Details innerhalb der Methode kann man damit auch Aufbau, Abbau und Fehler behandeln—versteckt vor den Belangen des Benutzers.

# Sag Tschuess zu allen
def sag_tschuess
  if @names.nil?
    puts "..."
  elsif @names.respond_to?("join")
    # Verbinde die Listenelemente mit Kommata
    puts "Tschuess, #{@names.join(", ")}, bis bald!"
  else
    puts "Tschuess, #{@names}, bis bald!"
  end
end

Die sag_tschuess-Methode benutzt kein each. Stattdessen prüft sie, ob @names der join-Methode antwortet, und benutzt sie in diesem Fall. Andernfalls gibt sie nur die Variable als Zeichenkette aus. Diese Art des Nicht-Kümmerns um den aktuellen Typ einer Variable und sich dabei nur darauf zu verlassen, welche Methode sie unterstützt, nennt man “Duck Typing” (“Enten-Typisierung” – wie in “Wenn es läuft wie eine Ente und quakt wie eine Ente …”). Der Nutzen dessen ist, dass es die Typen von Variablen, die unterstützt werden, nicht unnötigerweise einschränkt. Wenn jemand eine neue Art einer Listenklasse benutzen möchte, dann wird alles wie beabsichtigt funktionieren, solange sie die join-Methode mit derselben Semantik wie bei anderen Listen implementiert.

Anstoß für das Skript

Nun haben wir also unsere MegaGreeter-Klasse. Der Rest der Datei ruft nur Methoden dieser Klasse auf. Es gibt einen letzten Trick, den man beachten sollte, und das ist diese Zeile:

if __FILE__ == $0

__FILE__ ist die magische Variable, die den Namen der gerade benutzen Datei als Wert hat, während $0 der Name der Datei ist, mit dem das Programm gestartet wurde. Die oben angegebene Anweisung besagt also “Wenn diese Datei die Haupt-Programmdatei ist …”. Dies erlaubt es, eine Datei als Bibliothek (“library”) zu benutzen und in diesem Zusammenhang keinen Code auszuführen, aber wenn die Datei als ausführbare Datei benutzt wird, wird der Code ausgeführt.

Betrachte Dich als in Ruby eingeführt!

So, das war’s mit der kurzen Einführung in Ruby. Es gibt noch viel mehr zu entdecken – die verschiedenen von Ruby angebotenen Kontrollstrukturen, die Benutzung von Blöcken und yield, Module als Mixins und viele Dinge mehr. Ich hoffe, diese Anleitung hat Appetit auf mehr gemacht.

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